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1. Horizont: von Generatoren erzeugte Klänge

Die elektronische Vierkanalkomposition Horizont stellt York Höllers Anfangspunkt in der aktiven Auseinandersetzung mit elektronischen Klangerzeugungs- und -verarbeitungstechniken dar. Gleichzeitig ist es das bis heute einzige rein elektronische Werk Höllers geblieben. Horizont wurde "an 55 Tagen in der Zeit vom 15. September 1971 bis zum 20. Januar 1972" im Studio für Elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks in Köln unter Mitwirkung der technischen Mitarbeiter Peter Eötvös und Volker Müller realisiert.[1]

1.1 Vorgeschichte

Die Vorgeschichte von Horizont reicht in das Jahr 1969 zurück. Nachdem Höller 1967 sein vier Jahre zuvor begonnenes Schulmusikstudium mit den Hauptfächern Klavier (Else Schmitz-Gohr) und Tonsatz/Komposition (Joachim Blume) an der Kölner Musikhochschule abgeschlossen hatte, setzte er dort sein Klavierstudium bei Alfons Kontarsky fort und begann 1968 ein Kompositionsstudium bei Bernd Alois Zimmermann sowie ein Dirigierstudium bei Wolfgang von der Nahmer. Die Möglichkeit, als Student der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln das dort 1965 gegründete Studio für Elektronische Musik zu nutzen, ergriff Höller 1969.

Dem damaligen Direktor der Musikhochschule Heinz Schröter, der sich intensiv für die Belange der zeitgenössischen Musik an der Musikhochschule einsetzte, war es 1965 gelungen, den seit 1962 pensionierten Herbert Eimert als Leiter dieses ersten an einer Musikhochschule gegründeten Studios zu gewinnen.[2] Zuvor hatte Eimert - nach Aussage seines Kompositionsschülers und späteren Nachfolgers in der Leitung des Studios, Hans Ulrich Humperts - Bedenken an den eigenen pädagogischen Fähigkeiten geäußert sowie die Möglichkeit, Komposition zu unterrichten und zu erlernen, generell in Frage gestellt.[3]

Zu Beginn seiner Arbeit im Studio für Elektronische Musik der Musikhochschule erhielt der auf diesem Gebiet unerfahrene York Höller von Eimert den Rat, Sinusgemische nach einer frei wählbaren Proportion zu erstellen, um sich mit der dortigen Studiotechnik praktisch vertraut zu machen. Höller wählte 15. Wurzel aus 3 und erstellte einige Tongemische. Mit dem plötzlichen Freitod seines Kompositionslehrers Bernd Alois Zimmermann im Jahr 1970 stellte Höller, den dieses tragische Ereignis offenbar tief getroffen hatte, seine Arbeiten und Studien in der Musikhochschule insgesamt ein. Im Jahr darauf erhielt Höller dann vom WDR den Kompositionsauftrag für Horizont und eine Einladung Karlheinz Stockhausens, das Stück im Studio für Elektronische Musik des WDR Köln, dessen künstlerische Leitung Stockhausen 1963 in der Nachfolge Eimerts übernommen hatte, zu realisieren.[4]

1.2 Horizont: Vorbereitung weiterweiter 

[1]  Horizont, Elektronische Musik (1971/72, rev. 1975), Partitur, Wiesbaden c. 1984, S. 3.
[2] Vgl. Elena Ungeheuer: In den Klang und in die Welt - Elektronisches Komponieren in Nordrhein-Westfalen, S. 49, in: Zeitklänge: Zur Neuen Musik in Nordrhein-Westfalen 1946-1996; Essays, Programme '96/'97, Biographien, Literatur, Tonträger, hrsg. v. Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen e. V., Köln 1996, S. 45-53.
[3] Mitteilung Hans Ulrich Humperts an den Verf. während einer Besichtigung des Studios der Musikhochschule im Dezember 1998.
[4] Nach Angaben Höllers hatten sich Stockhausen und Höller über die Komposition Topic für großes Orchester kennengelernt, die Höller zum Abschluß seines Schulmusikstudiums 1967 fertiggestellt hatte. Sie wurde am 1.10.1967 in der Kölner Musikhochschule uraufgeführt. Unter anderem stand sie in der Reihe Musik der Zeit des WDR am 11.9.1970 in Köln im Rahmen eines Sonderkonzertes aus Anlaß des Internationalen Musikwissenschaftlichen Kongresses Bonn 1970 zusammen mit der Komposition MIXTUR (in der Neufassung für Kammerensemble von 1967) Stockhausens auf dem Programm.

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