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1.2 Vorbereitung

Aufschluß über Höllers Vorbereitungen zu seiner ersten Komposition mit elektronischen Mitteln gibt ein "Bericht über die Realisation":[5]

"Nachdem ich mir eine Liste aller Studio-eigenen Geräte hatte anfertigen lassen, begann ich mit der Komposition. Ich entwarf zunächst einen Formplan, der insgesamt 30 Abschnitte umfaßte. Abgesehen von den ersten 3 Abschnitten, die ich infolge einer sehr deutlichen Klangvorstellung schon 'im Ohr' hatte, war der weitere Verlauf des Stückes lediglich strukturell klar."[6]

Höller hatte also, ausgestattet mit der Inventarliste des WDR-Studios und mit einigen im Studio der Musikhochschule gesammelten praktischen Erfahrungen im Umgang mit elektronischen Apparaturen, zunächst einen Formplan erstellt. Dieser legte die zeitliche Struktur des zu realisierenden Stückes fest, indem er die Reihung von 30 Abschnitten unterschiedlicher Länge vorsah. Ihre Zeitwerte hatte Höller einer Logarithmentabelle entnommen,[7] die Dauern der Abschnitte sollten im ungefähren Verhältnis 5:6 zueinander stehen.[8] Außerdem waren offenbar weitere strukturelle Eigenschaften bereits konzeptionell erfaßt. Dies läßt sich aus dem Zusammenhang obigen Zitats mit seiner in Parenthese gestellten Ergänzung schließen, aus der zudem hervorgeht, daß die strukturbildenden Vorgaben noch keine spezifisch elektronischen Momente berücksichtigten (obwohl Höller hier einige Fachtermini aus dem Bereich der Magnettontechnik entlehnt, die er aber als allgemeine kompositorische Arbeitsweisen verstanden wissen will):

"Hinsichtlich struktureller Kategorien wie Homo-, Poly- und Heterophonie, 'hartem' und 'weichem' Schnitt, Vor-, Rück-, Ein-, Aus-, oder Überblendung, Interpolation, Wechsel der klanglichen und zeitlichen Dichte usw. gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen elektronischer und instrumentaler Musik."[9]

War die Gliederung des Stückes noch vor dem ersten Arbeitstag im Studio weitestgehend fixiert,[10] waren Übergänge und Zusammenhänge zwischen den Abschnitten konzipiert und, vom Klangmaterial unabhängig, kompositions- bzw. satztechnische Aspekte berücksichtigt, so gab es bezüglich der klanglichen Konkretion des Kompositionsplans lediglich tendenziöse Überlegungen:

"Die Frage der 'Klangästhetik', der sich - da ihm schier unbegrenztes Klangpotential zur Verfügung steht - gerade der Komponist elektronischer Musik stellen muß, versuchte ich a priori durch einige negative Zielsetzungen zu lösen: So wollte ich einfache Sinusgemische, weißes Rauschen, regelmäßige Impulsfolgen, überhaupt allzu Regelmäßiges und gänzlich statische Klänge weitestgehend vermeiden, darüber hinaus möglichst keine klanglichen Klischees benutzen, die eindeutige und meiner Ansicht nach triviale Assoziationen, z. B. an Maschinen, Feuergeprassel, Detonationen, zoologische Gärten usw., hervorrufen würden."[11]

Zudem hatte bereits früh ein Klang in der Imagination Höllers Gestalt angenommen, der als Initialidee für das Werk bewertet werden kann und sich am Anfang von Horizont wiederfindet, dessen programmatischer Charakter für den weiteren Verlauf des Stückes allerdings nicht mehr von Bedeutung ist: ein aus der Ferne, aus dem Unendlichen kommender Klang, der den Komponisten bzw. Zuhörer umkreist und dann abstürzt.[12]

1.3 Horizont: Realisation weiterweiter 

[5] Auszugsweise abgedruckt in: Hans Ulrich Humpert, Elektronische Musik. Geschichte - Technik - Kompositionen, Mainz 1987, S. 134-136.
[6] Ebd., S. 134.
[7] Auskunft Höllers an den Verf. im November 1998. Vermutlich erschließt sich hierüber auch ein Teilsinn des ursprünglichen Untertitels Elektronische Musik in Form eines Essays über logarithmische Gefühle, der im Programmheft zur Uraufführung von Horizont am 6.6.1972 dem Titel noch beigefügt ist (Programmheft Musik der Zeit III. 7 Tage elektronische Musik. Live-Konzerte, Gespräche, Bandmusik, 5. bis 11. Juni 1972 (Köln, Rohbau des Römisch-Germanischen Museums, veranst. v. WDR); siehe Anhang).
[8] Vgl. H. U. Humpert, Elektronische Musik. Geschichte - Technik - Kompositionen, a. a. O., S. 136. Humpert listet hier eine auf der Proportion 5:6 basierende Zeit-Skala auf, ordnet die 30 Formteile von Horizont den Werten der Zeit-Skala zu und verweist außerdem auf drei bewußte Abweichungen von den ursprünglichen Längen (s. dortige Fußnoten 38-40). Zu beachten ist, daß die Längen der Formteile von Horizont, auf die sich Humpert bezieht, im ungefähren Verhältnis 8:9 zu ihren Ursprungswerten stehen, da Höller 1975 das gesamte Stück hochtransponiert hat, wodurch sich die Gesamtlänge von 12'05'' (diese Zeitangabe ist der Beschriftung des Originalbandkartons entnommen) auf ca. 10'40'' verkürzt hat und damit auch alle Abschnittslängen entsprechend kürzer geworden sind.
[9] Ebd., S. 134.
[10] Höller betont, daß es während der Realisation von Horizont bisweilen zu Änderungen am Kompositionsplan gekommen sei, siehe ebd., S. 135.
[11] Ebd.
[12] Auskunft Höllers an den Verf. im November 1998.

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