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5. Schwarze Halbinseln: Synthese von Sprache und Klängen

"Bereits in meiner Schulzeit fühlte ich mich von der visionären Bildwelt und elementaren Ausdruckskraft der Heymschen Dichtung stark angezogen, und der Plan, etwas über Heym zu machen, hat mich seitdem nicht mehr losgelassen."[1]

Diese Aussage York Höllers im Programmheftbeitrag zur Uraufführung von Schwarze Halbinseln am 27. November 1982 in Köln unterstützt die im Zusammenhang mit Horizont gemachte Feststellung,[2] daß die Komposition, deren Titel Schwarze Halbinseln auf den expressionistischen Dichter Georg Heym zurückgeht,[3] bereits Jahre oder sogar Jahrzehnte vor der eigentlichen Realisation geplant war. Vielleicht auch hatte Höller Teile dieses Werkes schon früh komponiert, denn entgegen seiner Klanggestalt-Kompositionstechnik, die fast allen seit 1976 entstandenen Kompositionen zugrunde liegt, beginnt Schwarze Halbinseln mit einer auf einer Zwölftonreihe basierenden, "umfangreichen Einleitung, die etwa ein Viertel der Gesamtlänge des Stückes ausmacht".[4] Dies läßt sich allerdings auch interpretieren als eine geschichtliche Einordnung Höllers in die Reihe der Komponisten von Schönberg über Webern bis zu denen seiner Väter- und Lehrergeneration, namentlich Bernd Alois Zimmermann, dem das Werk zunächst in memoriam zugedacht war, Pierre Boulez, auf den Höller im Programmheft direkt hinweist,[5] und Karlheinz Stockhausen, dem Höller die Komposition schließlich in "freundschaftlicher Verehrung" widmete.[6] Gleichzeitig mag es ein symbolischer und auskomponierter Fingerzeig auf die musikhistorische Fundierung seiner Kompositionstechnik der Gestaltkomposition als Weiterentwicklung aus der freien Atonalität, der Zwölftontechnik und dem Serialismus sein, denn der Einleitung schließt sich der auf einer fünfgliedrigen Klanggestalt basierende Hauptteil an, und es ergibt sich ein kompositionstechnischer Entwicklungsprozeß von der frei atonalen Exposition der "Kernintervalle der kleinen Sekunde und der kleinen Terz" zur "daraus entwickelten Zwölftonreihe (Zwölftonakkord), die ihrerseits nur als 'Vorform' für eine ausgedehntere, 31tönige 'Klanggestalt' dient".[7]

Zwölftonreihe und Kernintervalle zu Schwarze Halbinseln:

Klanggestalt zu Schwarze Halbinseln:

Schwarze Halbinseln, Klanggestalt

 

5.1 Schwarze Halbinseln: Vorbereitung weiterweiter 

[1]  Programmheftbeitrag York Höllers zur Uraufführung von Schwarze Halbinseln am 27.11.1982, in: Musik der Zeit II. Samstag, 27. November 1982 (Funkhaus Köln, Großer Sendesaal, veranst. v. Westdeutschen Rundfunk Köln), hrsg. v. der Pressestelle des Westdeutschen Rundfunks; siehe Anhang.
[2] Siehe Ende von Kapitel 1.3.
[3] Siehe Programmheftbeitrag York Höllers zur Uraufführung von Schwarze Halbinseln, a. a. O.
[4] Ebd.
[5] Siehe ebd.
[6] Ebd.
[7] Ebd.

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