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Die Verwendung elektronischer Klänge in der Musik York Höllers |
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5.1 Vorbereitung
In der ersten Phase der Studioarbeit von Horizont hatte Höller zunächst experimentell Klänge erstellt, diese bewertet und anschließend katalogisiert. Auch seiner
dritten WDR-Auftragskomposition liegt eine systematische Klangmaterialordnung zugrunde, die gegenüber der Materialliste für Horizont neben den live zu spielenden
Instrumentalklängen auch elektronisch verarbeitete konkrete Klänge einschließt und im Vergleich zu den Tonbandklängen der von Horizont bis Schwarze Halbinseln
entstandenen Werke nun zum erstenmal auch Sprach- und Vokalklänge berücksichtigt.[8] Das Klangrepertoire für Schwarze Halbinseln zeigt folgende Systematik:[9]
| 1. | elektronisch erzeugtes Klangmaterial (untergliedert in Geräusche, Klänge und Klanggemische) |
| 2. | instrumental erzeugtes Klangmaterial (Klänge und Geräusche) |
| 3. | Instrumentalklänge, elektronisch transformiert (durch Ringmodulation, Filtermodulation oder Amplitudenmodulation) |
| 4. | Vokalklänge |
| 5. | elektronisch transformierte Vokalklänge |
| 6. | Mischung vokaler und elektronischer Klänge |
| 7. | Sprache |
| 8. | elektronisch transformierte Sprache |
| 9. | durch Sprache modulierte elektronische Klänge |
Dieses Repertoire umfaßt zunächst alle innerhalb der Komposition verwendeten Klänge, durch "2. instrumental erzeugtes Klangmaterial" also auch diejenigen der Orchesterinstrumente,
die während der Aufführung zu den über Lautsprecher abgestrahlten Klängen treten. Alle anderen aufgeführten Kategorien aber beschreiben die auf Tonband gespeicherten
Klänge, neben den rein elektronischen und den transformierten instrumentalen auch alle Vokal- und Sprachklänge sowie die Mischungen und gegenseitigen Modulationen. Zur Realisation der vier
Klangspuren des Mehrspurtonbands mußten daher zunächst zahlreiche Instrumentalklänge und Klangstrukturen von Mitgliedern des Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchesters, die Passagen
für Frauenchor von Mitgliedern des Kölner Rundfunkchores und die von Marie-Louise Gilles stammenden Rezitationen des Gedichts "Die Nacht" von Georg Heym eingespielt, eingesungen bzw.
eingesprochen werden. Eine fünfte Spur des Tonbands wurde außerdem als Klick-Spur präpariert, die die Rhythmusstruktur der Komposition präsentiert sowie (teilweise gleichzeitig)
die Tempiwechsel anzählt und höchstwahrscheinlich nicht oder nicht nur für die Klangeinspielungen als Orientierung diente, sondern dem Dirigenten einer Aufführung über einen
Monitorlautsprecher zugespielt werden soll, da Jahre nach Fertigstellung der Komposition im Studio des WDR versucht wurde, diese offenbar nicht ganz befriedigende Metronom-Spur neu zu erstellen oder
umzuarbeiten.[10]
| [8] |
Insgesamt hatte Höller bis 1982 nur zwei Werke mit Gesangspartien geschrieben: Herr, es ist Zeit (nach Rilke) für Sopran, Flöte, Harfe, Cembalo, Celesta und Streichquartett
sowie Kontext für Kammerensemble mit Sopran, beide von 1966; außerdem eine Komposition mit Sprechchören: Décollage für zwei Sprechchöre, drei
Instrumente, Tonband und Lichtsteuerung von 1972. |
| [9] |
Christoph von Blumröder, York Höller: Schwarze Halbinseln, S. 15, in: Begleitheft der Schallplattenedition Zeitgenössische Musik in der Bundesrepublik Deutschland,
Kassette 10: 1970-1980, Bonn 1983, S. 14-15. |
| [10] |
Mitteilung Volker Müllers an den Verf. im Dezember 1998. |